Geschichte

Wozu Geschichte?

Geschichte rettet uns vor dem Angebundensein „an den Pflock des Augenblicks“ meint Friedrich Nietzsche zu Beginn seines Essays Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte solle aber nicht nur „Belehrung“, sondern „Belebung“ bewirken, nicht nur „Wissen“ anhäufen, sondern „Tätigkeit“ anregen.

In diesem Sinne betonen auch die gymnasialen Richtlinien die Bedeutung des Geschichtsunterrichts für die „Entwicklung einer eigenen Identität sowie die Fähigkeit zur selbständigen Urteilsbildung“. Ein „reflektiertes Geschichtsbewusstsein“ sei eine Grundlage für das „Verständnis gesellschaftlich wirksamer Strukturen und Prozesse und die Mitwirkung im demokratisch verfassten Gemeinwesen“ (Kernlehrplan Geschichte: Aufgaben und Ziele des Faches).

Sekundarstufe I

Im neuen Bildungsgang (G9) wird Geschichte mit jeweils 2 Stunden in den Klassen 6 und 8 – 10 unterrichtet.

In diesen Jahren bemühen wir uns, dem ehrgeizigen Anspruch der Richtlinien gerecht zu werden und einenfast universalgeschichtlichen Überblick von der Steinzeit bis zu den Weichenstellungen für unsere Gegenwart zu versuchen. Dabei kann die unerschöpfliche Fülle des Stoffes natürlich nur ausschnittweise und altersgerecht bearbeitet werden. Wir folgen dem Prinzip der chronologischen Entwicklung als Grundlage für das Verständnis von hartnäckigen Kontinuitäten und abrupten Umbrüchen. Mit der Annäherung an die Zeitgeschichte bremst unser Schnelldurchlauf ab, um komplexe Zusammenhänge etwas gründlicher zu beleuchten.

So gelangen wir in Klasse 6 von den Vormenschen über Ägypter, Griechen und Römer bis zu den Grundlagen der christlichen Gesellschaft des Mittelalters.Zentrale Themen der 8 sind Renaissance und die Krisenzeit des 30jährigen Krieges, die Entstehung des modernen Staats im Absolutismus und die Französische Revolution. Daran schließen sich die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts (Nationalismus, Industrialisierung, Imperialismus) an. Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts mit besonderem Fokus auf Deutschland werden Ende der 9 und Anfang der 10 thematisiert, bevor wir mit der Welt seit 1945 auf die „Erfolgsgeschichte“ der Bundesrepublik zusteuern.

In diesem Fach gibt es keine Klassenarbeiten; bei der Leistungsbewertung werden mündliche Mitarbeit, Heftführung, häusliche Vorbereitung, kleine Präsentationen und evtl. kurze schriftliche Tests zugrundegelegt.

Sekundarstufe II

In der anschließenden Oberstufe ist Geschichte ein Wahlfach aus dem Pflichtbereich der Gesellschaftswissenschaften. Es kann als 3-stündigen Grundkurs in der 11 und daran anschließend in der Qualifikationsphase (12 und 13) sowie als 3. oder 4. Abiturfach gewählt werden.

Besonders Interessierte können sich aber im Anschluss an den Kurs in der 11 auch für den 5-stündigen Leistungskurs Geschichte entscheiden, der automatisch zugleich 2. Abiturfach ist. Ein LK Geschichte kommt an unserer Schule seit vielen Jahren regelmäßig zustande.

Die Themen sind im Wesentlichen für Grund- und Leistungskurs identisch. Erwartungsgemäß wiederholen und vertiefen sie Inhalte aus der Sek I. Gemäß dem derzeit im Bildungsgang G8 verbindlichen Curriculum werden im ersten Jahr, der sogenannten Einführungsphase, selektiv Aspekte antiker und mittelalterlicher Geschichte (Römer und Germanen in der Kaiserzeit, Christen und Muslime zur Zeit der Kreuzzüge) in den Blick genommen. Danach folgt im zweijährigen Kurs der Qualifikationsphase eine radikale Beschränkung auf die Zeit seit 1800 und die Probleme der entstehenden, entgleisenden und reifenden nationalen Identität der Deutschen. Wir folgen auch hierbei wieder – gedeckt durch die Freiräume der Richtlinien – einem chronologischen Ansatz, um historische Orientierung zu erleichtern und die Wechselwirkung von ökonomisch-technologischen, gesellschaftlichen und politischen Prozessen zu betonen.

In den Oberstufenkursen Geschichte werden Klausuren geschrieben, wenn das Fach „schriftlich“ belegt wurde. Das ist nicht erforderlich, wenn eine andere Gesellschaftwissenschaft schriftlich belegt ist und Geschichte nicht als gesellschaftswissenschaftliches Abiturfach bestimmt wurde.

Der Aufbau dieser Klausuren ist im Kern immer gleich, was eine systematische Einübung des methodischen Vorgehens erleichtert. Es gibt drei Aufgaben, wobei in der ersten ein vorgelegtes Material bearbeitet werden soll: eine „Quelle“ (etwa ein Brief, eine Rede, eine Karikatur aus der behandelten Epoche) oder ein Auszug aus einem modernen Historikertext, einer aktuellen Gedenkrede etc. In der nächsten Aufgabe muss dieses Material unter bestimmten Gesichtspunkten in seinen jeweiligen historischen Kontext eingebettet werden. Daran schließt sich eine auf das Material bezogene Stellungnahme an, in der die Fähigkeit zu einer eigenständigen, umsichtigen und faktenbasierten Urteilsbildung demonstriert werden soll.

Wie in der Sek I werden bei der Leistungsbewertung außer den Klausuren vor allem die kontinuierliche mündliche Mitarbeit, die häusliche Vorbereitung, Präsentationen und evtl. kurze schriftliche Tests zugrundegelegt. Das Leistungskonzept wird in den Kursen zu Beginn jedes Halbjahres neu in Erinnerung gerufen, auch die besonderen Leistungskriterien für Facharbeiten (als Ersatz für eine Klausur) Geschichte werden mit den Interessenten im Einzelnen besprochen.

Sonderkurse Gebi und GZ

Ein attraktives Alternativangebot zum Grundkurs Geschichte bietet der bilinguale Kurs Gebi, der ebenfalls als Abiturkurs gewählt werden kann. Hier ist Englisch weitestgehend die Unterrichtssprache. Das gilt auch für Präsentationen, Klausuren und Lehrmaterialien bzw. -bücher. Die behandelten Themen entsprechen denen des „normalen“ Grundkurses, mit punktuell anderer Akzentuierung (betreffend die deutsch-britischen oder amerikanisch-europäischen Beziehungen).

Obwohl wir den Umstieg in den englischsprachigen Fachunterricht nicht durch systematische Vorbereitung in der Sek I fördern, gelingt den Kursteilnehmerinnen die Eingewöhnung fast immer mit bemerkenswerter Leichtigkeit! Sachorientierte Kommunikation steht dabei „offiziell“ über penibler Korrektheit; das intensive Sprachtraining wird schnell zum gleichsam selbstverständlichen Nebeneffekt.

Der bilinguale Kurs versteht sich trotzdem zunächst als halb- oder ganzjähriges „Probeabo“; anschließend kann man in deutschen Kurs wechseln; ab der 11 ist die Wahl dann verbindlich. Sie bietet zugleich – in Verbindung mit einer aus der Mittelstufe fortgeführten Fremdsprache (Französisch oder Italienisch) die Möglichkeit, mit dem CertiLingua Zertifikat besondere „interkulturelle Kompetenz“ bescheinigt zu bekommen.

Genau wie beim Fach Sozialwissenschaften müssen Schülerinnen und Schüler, die Geschichte in der Sek II nicht wählen, einen sogenannten Zusatzkurs Geschichte belegen. Das bedeutet, sie werden im letzten Jahr (Stufe 13) einen 3-stündigen Kurs ohne Klausuren belegen, der sich auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts konzentriert und damit aus Sicht des Gesetzgebers einen unverzichtbaren Beitrag zur politischen Grundbildung leistet.

Exkursionen

Der Fachschaft Geschichte ist es wichtig, Kursinhalte auch an außerschulischen Lernorten anschaulich zu machen.

In der Sekundarstufe I werden beispielsweise Exkursionen zum Thema „römisches Köln“ unternommen, das NS-Dokumentationszentrum oder das „Denkmal der grauen Busse“ besucht. Auch der Lern- und Gedenkort der Ordensburg Vogelsang bietet sich für eine Exkursion an.

In der Sekundarstufe II werden häufig Studienfahrten im LK Geschichte durchgeführt. In den letzten Jahren führten uns diese Fahrten z.B. nach Wien, Madrid/Toledo oder Belfast/Dublin.

Fotos Irland/Madrid/Vogelsang

Im Rahmen der Politischen Bildungstage in der Jahrgangstufe 11 haben Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, an einer Fahrt nach Weimar teilzunehmen und dort die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald zu besuchen. 

Außerdem bieten wir für Interessierte in der Jahrgangstufe 13 eine 5-tägige Gedenkstättenfahrt nach Polen (Auschwitz/ Birkenau und Krakau) an.

Fotos Auschwitz/Buchenwald