Der Förderverein der Ursulinenschule macht es möglich: Ein Autor zum Anfassen:Arno Geiger zu Besuch am Ursulinengymnasium

Datum:
5. Dez. 2021
Von:
Frank Bungart

Einen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Autor kennen lernen, ihm zu seinem Werk Fragen stellen und zum Schluss auch noch den von ihm geschriebenen Roman signieren lassen, diese Chance bietet sich sowohl Schülerinnen und Schülern als auch Kolleginnen und Kollegen nun wirklich nicht alle Tage.

Aber am Dienstag, dem 30. November 2021 kam Arno Geiger, der Autor des Romans „Unter der Drachenwand“, welcher derzeit Bestandteil des Literaturkanons des Zentralabiturs Deutsch ist, zu uns an die Ursulinenschule.

Nach einer Begrüßung durch die Schulleitung und die Fachschaft Deutsch traf Arno Geiger in der Schulaula auf eine Gruppe interessierter Schülerinnen und Schüler und schnell konnte man feststellen: Hier stimmt die Chemie zwischen Redner und Publikum - und der Bestsellerautor ist wirklich ein Schriftsteller zum Anfassen.

Nach einer Lesung aus dem Roman auf der Bühne der Aula – vorgetragen in dem für Geiger so typischen Dialekt - stellte sich der Autor den Fragen eines Moderatorinnen-Teams und gab den ZuhörerInnen einen lebendigen Einblick in das Leben eines Schriftstellers und den Entstehungsprozess eines literarischen Werkes, welches eine solche Strahlkraft aufweist, das es jeden wichtigen Buchpreis der letzten Jahre hat gewinnen können.

Geiger berichtete in einer beeindruckenden künstlerischen Intensität davon, dass er, um für eine ganz besondere Authentizität seines Werkes sorgen zu können, mehrere tausend Briefe von Kriegsbetroffenen über zehn Jahre gelesen habe, die er dann in einem literarischen Kraftakt von vier Monaten in einem Roman verarbeitete.

Die Begeisterung und Leidenschaft, die für solch eine Arbeit nötig sind, waren für uns ZuhörerInnen in den Schilderungen Geigers deutlich spürbar und die Nähe, die der Autor zuließ, machte diesen Austausch für uns alle zu einem besonderen Moment einer Autor-Rezipienten-Kommunikation, die man im Unterricht eben nicht erzeugen kann.

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Die Frage nach Wahrheit und Lüge in unserer Gesellschaft, die Vielschichtigkeit des Menschen an sich und die Bedeutsamkeit sozialer Kontakte gerade in einer so spannungsgeladenen historischen Situation wie dem sich zum Ende neigenden Zweiten Weltkrieg konnten mit demjenigen diskutiert werden, der selbst Urheber und Schöpfer des Romans „Unter der Drachenwand“ ist.

Hierbei zeigte sich, dass Literatur zeitliche Grenzen überwinden und elementare Themen ansprechen kann, die vielleicht auch gerade heute in der Zeit einer immer wieder neu aufflammenden Pandemie vor allem junge Menschen beschäftigen.

In einer Gesprächsrunde mit den Deutschlehrerinnen und -lehrern unserer Schule ging es dann im Anschluss neben konzeptionellen und didaktischen Fragen auch beispielsweise darum, wie man als Schriftsteller überhaupt auf eine Idee für solch einen thematisch vielschichtigen und analytisch komplexen Roman kommt – eben um ganz individuelle Fragen, die man als LehrerIn in keiner Interpretation findet.

Abermals zeigte Arno Geiger keinerlei Starallüren, sondern gab uns vielmehr einen spannenden und vor allem sehr persönlichen Einblick in seine Arbeit und sein Leben, so dass wir ihn gar nicht mehr gehen lassen wollten und sich die Gespräche sogar bis auf den Schulflur noch hinzogen.

Abschließend ist festzuhalten, dass dieser Vormittag uns allen mal wieder deutlich vor Augen geführt hat, wie lebendig Literatur sein kann und welchen Einfluss sie auf die Deutung eben nicht nur von Vergangenem, sondern auch von Aktuellem hat und so hoffen wir auf einen erneuten Besuch von Arno Geiger im nächsten Jahr.

Ein ganz besonderer Dank an dieser Stelle gilt dem Förderverein unserer Schule, der diesen Besuch überhaupt erst möglich gemacht hat.

Sollte Interesse an dem Diskurs zwischen Arno Geiger und den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe bestehen, kann bei mir gerne ein Videomitschnitt angefragt werden.

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