Bericht über meine Zeit in Ghana

Ghana_01
Ghana_01
19. Jan 2020
Ursula Müller-Huntemann, Josephine Marie Meier

Wieder hat sich eine Abiturientin auf den Weg nach Ghana gemacht, ein Land, in dem Bildung ein Privileg und keine Selbstverständlichkeit ist. So verbringt sie dreieinhalb Monate bei unserem Patenprojekt Stiftung Regentropfen, um Kinder und Jugendliche zu fördern und im Bereich der Schulausbildung zu unterstützen.

Die Zeit die ich bis jetzt hier verbracht habe ist für mich unersetzlich und hat mir gezeigt, dass man auch abseits von Familie und Freunden und vor allem den Bekannten so viele neue und schöne Erfahrungen machen kann, Erfahrungen die ich für unheimlich wertvoll und wichtig halte.

Man hört ja immer wieder Geschichten von jungen Leuten die, meistens nach dem Abitur,  in ein anderes Land fliegen, um dort eine gewisse Zeit für eine Hilfsorganisation zu arbeiten. Diese Geschichten und der Gedanken daran, dass ich einmal Menschen in einem anderen Land helfen könnte, haben mich schon lange Zeit fasziniert. 

Als ich hörte, dass unsere Schule eine Hilfsorganisation in Afrika, genauer gesagt in Ghana, unterstützt und wir Schülerinnen dadurch die Möglichkeit haben,  als Volunteer für diese Organisation zu arbeiten, war ich direkt Feuer und Flamme. Nach einem Gespräch mit der zuständigen Lehrerin Frau Müller-Huntemann in der Schule und einer Bewerbung bei der Stiftung sowie einem Treffen mit dem Leiter der Regentropfen Education Foundation, Pater Moses, war es beschlossene Sache: ich würde 3,5 Monate in Ghana verbringen und als Volunteer für die Regentropfen Education Foundation - Stiftung Regentropfen in Namoo, arbeiten.             

Nach einiger Zeit Vorbereitung und etlichen Reiseimpfungen war es dann soweit. Ich saß im Flugzeug auf dem Weg zum Kotoka International Flughafen in Accra. Während man da so sitzt und die nächsten 3,5 Monate seines Lebens mehr oder weniger im Ungewissen liegen, gehen einem so einige Fragen durch den Kopf: 

Wie und mit wem werde ich leben? Schaffe ich es wirklich, ohne die Hilfe meiner Mutter in einem fremden Land klarzukommen? Was mache ich, wenn es mir gar nicht gefällt oder ich einfach nicht mit der kulturellen Umstellung umgehen kann?

Nun, jetzt war ich ja schon auf dem Weg und für Abbruchsgedanken war es viel zu spät. Aber auch wenn mir ein wenig flau im Magen war -  was denke ich auch ganz normal ist - war ich auch unheimlich neugierig und fühlte eine eigenartige Freude auf die "ungewisse" Zukunft und die bestimmt folgenden Herausforderungen, die diese mit sich bringen würde.

Nach ca. sieben Stunden und einem kurzen Zwischenstopp in Amsterdam war ich angekommen. Als ich nach gefühlten 100 Jahren aus der Immigrationszone raus war und mein Gepäck abgeholt hatte, machte ich mich auf den Weg Richtung Ausgang. Das Erste, was mir auffiel, war die unglaubliche Hitze, die mir wie eine Wand entgegenschlug und für die ich - immer noch meinen Pulli plus Jogginghose tragend - nicht so ganz passend angezogen war. Noch bevor ich mich richtig umgucken konnte kam Linda schon auf mich zu, die sich schon vor dem Abflug via WhatsApp mit mir in Verbindung gesetzt hat, um mir mitzuteilen, dass sie diejenige sein würde, die mich in Empfang nehmen würde. Sie umarmte mich fest und hieß mich sehr herzlich willkommen. Innerhalb eines Augenblickes hatte ich eine Sorge weniger, denn Linda, die Person mit der ich vorerst zusammenleben würde, war mir auf Anhieb wirklich sympathisch. Nach der Begrüßung machten wir uns auf den Weg in ein Hotel, in dem ich die Nacht verbringen würde. Da mein Flug relativ spät am Abend erst Kotoka erreicht hatte, konnten wir nicht noch am selben Tag nach Namoo, dem Ort in dem ich zukünftig arbeiten und leben würde, weiterreisen.

Am nächsten Morgen holte Linda mich früh morgens im Hotel ab und zeigte mir ein wenig Ghanas Hauptstadt Accra. Als es dann Zeit zum Aufbruch Richtung Norden war, machten wir uns auf dem Weg zu unserem Überlandbus und dann ging es auch schon los. 

Nach 16 Stunden Busfahrt kamen wir dann in Bolgatanga, einer etwas größeren Stadt in der Nähe von Namoo an. Danach nahmen wir ein Cando, was wir Europäer vielleicht eher als "Tuc Tuc" kennen, und fuhren Richtung Namoo. Nach einem kurzen Zwischenstopp an einem Markt, der übrigens für die europäische bzw. deutsche Nase erstmal von einem eher strengen Geruch umgeben ist, fuhren wir dann auf direktem Weg zum „Happy-Home“, Diese Einrichtung liegt direkt neben dem das Haus, in dem ich mit Linda von nun an leben würde. 

Mein neues "Zuhause" machte einen sehr guten Eindruck und hatte nichts mit dem zu tun, was man vielleicht schon aus dem Fernsehen von afrikanischen Häusern kannte. Ein Positives hatte das Haus  schon einmal direkt: Ich hatte mein eigenes Zimmer mit eigenem Badezimmer, diesen Luxus habe ich nicht einmal Zuhause, deswegen war ich mehr als positiv überrascht. 

Nach einem Tag Pause und Ausruhen von der Reise zeigte mir Linda das Büro, in dem ich von nun an zweimal die Woche ganztägig arbeiten würde. An den weiteren Tagen würde ich von 8.00 Uhr bis 15.00 Uhr in der Regentropfenstiftung „Basic School“-dem Kindergarten - unterrichten. Die ersten eineinhalb bis zwei Wochen liefen noch etwas chaotisch, aber aller Anfang ist schwer und nach der "Eingewöhnungsphase" lief es auch eigentlich recht gut. 

Alles in allem begann mit Antritt dieser Reise eine sehr intensive Zeit für mich. Es war nicht immer einfach und ich stand auch das ein oder andere Mal vor Herausforderungen, von denen ich erstmal nicht wusste, wie ich sie händeln sollte. Gerade die Arbeit mit den Kindern ist nicht immer einfach und auch das Unterrichten kann hin und wieder schwerfallen. Letztendlich glaube ich,  es bedurfte einfach nur einer gewissen Kennlern- und Eingewöhnungszeit für beide Seiten - für jeweils die Kinder und für mich -denn nach einigen Wochen hatte sich die Arbeit mit den Kindern gut eingependelt. Da nicht alle von ihnen Englisch sprechen war die Kommunikation nicht immer einfach. Dennoch wurde ich immer von den Lehrern um mich herum unterstützt. 

Die Zeit die ich bis jetzt hier verbracht habe ist für mich unersetzlich und hat mir gezeigt, dass man auch abseits von Familie und Freunden und vor allem den Bekannten so viele neue und schöne Erfahrungen machen kann, Erfahrungen die ich für unheimlich wertvoll und wichtig halte. Das heißt, ich würde jedem, der mit dem Gedanken spielt, nach dem Abitur etwas Ähnliches zu machen wie ich, tut es einfach, denn man kann so vieles,  vor allem auch über sich selbst lernen. Auch für die, die noch gar nicht wissen, was sie machen wollen, kann das eine gute Chance sein, mal eine etwas andere Perspektive kennen zu lernen.

Das Leben in unserem Patenprojekt Stiftung Regentropfen

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