Blick in die Synagoge

Datum:
8. Jan. 2022
Von:
Marie Thormann

Am Mittwoch den 10.11.21 haben wir, die Klasse 9b, einen Ausflug in die Synagoge in Köln unternommen. Begleitet wurden wir von unserer Geschichtslehrerin, Frau Schoene, sowie von Frau Funk und Frau Kloppenburg. Gemeinsam haben wir den Anne-Frank-Aktionstag nachgeholt, der eigentlich im Sommer stattgefunden hätte. Der Anne-Frank-Tag stand im Jahr 2021 unter dem Motto „Blick auf die Geschichte“. In der Schule hatten wir erst einmal darüber nachgedacht, dass geschichtliche Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt werden können. Am Beispiel von Propaganda-Fotos aus der Nazi-Zeit ist uns das sehr deutlich geworden. Danach haben wir uns dann mit der Frage, welchen Blick wir auf die Synagoge und das jüdische Leben in Köln werfen können, auf den Weg gemacht.

Als wir in der Synagoge ankamen, wurden unsere Rucksäcke sicherheitshalber untersucht. Auch die Polizei steht vor der Synagoge, da, wie wir später erfahren haben, der Antisemitismus wieder so groß ist wie 1933, als die Nazis die Macht übernahmen. Nach der Kontrolle wurden wir von Esther Bugaeva empfangen, die uns erklärt hat, was uns in der Synagoge erwarten wird. Nachdem alles klar war, sind wir auch schon in die erste Ebene gegangen.

Die Ebene wird zum einen genutzt, damit die Männer zu ihren Sitzen im Gebetsraum gelangen, allerdings hat diese Ebene noch einen ganz anderen Sinn. Jeder, der in den jüdischen Gottesdienst möchte, muss durch diese Ebene gehen, was dem Architekten der Synagoge sehr wichtig war, da sich auf dieser Ebene das Gedenken an die 6 Millionen getöteten Jüdinnen und Juden und die 8.000 getöteten Opfer aus Köln befindet. Alle sollen sich daran erinnern, dass so viele Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Judentum ihr Leben verloren hatten.

Eindrücke vom Besuch in der Synagoge

4 Bilder

Danach sind wir weiter auf die zweite Ebene gegangen. Über diese Ebene gelangen die Frauen zu ihren Plätzen. Damit sitzen die Frauen über den Männern, die außerdem nicht nach oben gucken dürfen. Dies war dem Großteil von uns noch gar nicht bekannt. Generell hat die Frau im Judentum eine höhere spirituelle Stellung als der Mann. Die Männer haben daher viel mehr Pflichten als die Frauen, da sie nur dadurch die Möglichkeit haben, spirituell höher zu steigen. Dies ist auch der Grund, weshalb es das Ziel eines Mannes ist, eine Frau zu heiraten und somit ein hoch gestelltes spirituelles Wesen an seiner Seite zu haben. Auch die Kinder sind –wenn die Mutter jüdisch ist– von Geburt an ebenfalls jüdisch. Dabei hat sich uns natürlich die Frage gestellt, wie das denn ist, wenn jemand aus dem Judentum austreten möchte, wenn man ja nicht wirklich zu Anfang gefragt wird, ob man überhaupt Teil davon sein möchte. Eine Antwort haben wir zu dieser Frage allerdings nicht bekommen, da die Frau selbst so einen Fall noch nicht in ihrer Gemeinde hatte.

Zum Abschluss ging es dann wieder zurück in das Erdgeschoss, auf dem sich das Museum befindet. Dort konnten wir uns nochmal alles zu den verschiedenen Festen und den Gegenständen durchlesen. Am beeindruckendsten fanden wir dabei die Schriftrolle, die komplett von Hand geschrieben war. Frau Bugaeva erzählte uns auch von ihrem liebsten Fest, dem Lichterfest. Dieses Fest fand im Jahr 2021 vom 28. November bis zum 6. Dezember statt. Das Lichterfest gilt als Gedenken an die Wiedervereinigung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr., bzw. im Jahr 3597 nach jüdischer Zeitrechnung. An jedem Festtag wird eine Kerze vom 7-armigen Kerzenständer angezündet. Daher kommt im Übrigen auch der Adventskranz.

Zum Schluss konnten wir noch einmal ungeklärte Fragen stellen. Danach haben wir uns dann verabschiedet und haben eine kurze Pause gemacht, wonach es dann wieder zurück in die Schule ging. In der Schule haben wir unseren Blick in Worte gefasst, den wir durch den Besuch der Synagoge gewonnen hatten.

Insgesamt hat uns allen der Ausflug wirklich gut gefallen und wir haben alle etwas Neues über die Synagoge und das Judentum gelernt.