„Durchhalten":Impuls der Woche (03.-07. Mai 2021)

Datum:
3. Mai 2021
Von:
Dirk Peters

„Irgendwie liegen die Nerven blank…“, „So langsam geht mir die Puste aus…“ „So langsam wird es wirklich anstrengend…“, „Langsam kippt die Stimmung…“ – Äußerungen, die man in den vergangenen Monaten immer und immer wieder von unterschiedlichster Seite hören konnte, für viele gepaart mit Fragen wie: Schaffe ich die Herausforderungen, die die Schule/Arbeitsplatz an mich stellen? Wie schaffe ich es, meinen Kindern/Familie/Freunden gerecht zu werden? Wann hat die Einsamkeit und bleierne Gleichtönigkeit ein Ende? 

Wahrscheinlich weiß nur der liebe Gott, wann die erhoffte und ersehnte Normalität wieder eintritt. Bis dahin heißt es: durchhalten.

Vielleicht hilft uns bei diesem Durchhalten Beppo, der Straßenfeger, der uns im Roman „Momo“ von Michael Ende begegnet. Beppo sagt nämlich einmal zu Momo:

„Siehst du Momo […] es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

Ja, das ist wichtig. Nicht aus der Puste kommen. Immer nur Schritt für Schritt denken. Ein Schritt nach dem anderen. Und nicht an die ganze Straße denken.

Wir können die derzeitige Situation nur sehr bedingt beeinflussen, wir können nur lernen mit ihr umzugehen. Dass wir an manchen Tagen in unseren Sorgen, Nöten und Ängsten scheinbar untergehen, ist nachvollziehbar und verständlich, es ist menschlich. Aber vielleicht hilft uns allen, dass wir immer einen Schritt nach dem anderen gehen.

Und nicht zu viel denken, denn zu viel Nachdenken ist bekanntlich wie Schaukeln: Man ist zwar beschäftigt, kommt aber kein Stück voran.

Vielleicht sollte man sich stattdessen einfach in Sonne setzen und sich eine Kugel Eis gönnen. Nur ganz kurz. Ganz kurz alles vergessen. Das ändert die Situation zwar nicht, macht sie aber deutlich erträglicher. Die Augen schließen und das Eis essen. Und dann geht es weiter. Immer ein Schritt nach dem anderen…

Ich hol mir jetzt ein Eis und vielleicht die nächste Woche jeden Tag ein neues…

Euer/Ihr

Dirk Peters