Politische Bildung - Weimar

Weimar_01
Weimar_01
18. Jan 2020
Federica Graf

Politische Bildungstage - das klingt erst einmal nur nach Politik, doch waren es bei uns zusätzlich auch geschichtliche Bildungstage. Die Busfahrt nach Weimar war kürzer als erwartet und so kamen wir pünktlich zum Mittagessen im Hostel an. Am Nachmittag sind wir in drei Gruppen mit einem/einer Stadtführer/in durch Weimar gelaufen und haben dort viele interessante Dinge erfahren und kennengelernt. Beispielsweise waren wir im Bauhaus oder sind an Goethes Wohnhaus vorbeigekommen. Im Anschluss haben wir das ,,Haus der Weimarer Republik” besichtigt. Es war ein sehr informativer Museumsrundgang zur ersten deutschen Demokratie, aufgeteilt in sechs Stationen, der mit einem Filmbeitrag endete.

Nach einem Abendessen und einer kurzen Nachbesprechung im Hostel war der erste Tag auch schon um.

Am Donnerstagmorgen haben wir uns mit gemischten Gefühlen auf den Weg zum 400.000m² großen Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg gemacht. Sollten wir gespannt sein? Uns auf eine neue Erfahrung freuen? Ist es überhaupt in Ordnung sich zu freuen? Schon die sogenannte „Blutstraße“, die zu einem Stück sogar noch von Häftlingen errichtet wurde, ließ ein komisches Gefühl entstehen. Doch was wir auf unser Führung sehen würden, konnten wir uns noch gar nicht wirklich ausmalen. Es begann mit einem circa 30-minütigen Film aus Original-Aufnahmen und Erläuterungen damaliger Häftlinge. Danach begann die Führung. Wir gingen die Straße (Carachoweg) bis zum Haupteingang entlang. Kurz bevor wir ihn durchquerten, konnten wir sehen, dass die Uhr auf 15:15 Uhr stand. Dies hat den Grund, dass genau um diese Uhrzeit, am Freitag, den 11. April 1945, das Lager durch die Amerikaner befreit wurde.

Aufgrund dessen, dass vom eigentlichen Lager kaum noch etwas erhalten ist, wurde uns ein großes Modell gezeigt, wo alle - auch die nicht mehr existierenden - Gebäude zu sehen waren. Dadurch konnten wir uns die Weitläufigkeit erst wirklich vorstellen. Wir gingen durch das Haupteingangstor und betrachteten erst einmal den Schriftzug in der Mitte des Tores: ,,Jedem das Seine“. Eine merkwürdige Formulierung. Eigentlich wohl eher positiv belegt, ist er hier zynisch gemeint, genauso wie der Tierpark direkt hinter dem Stacheldraht, der zur Freizeitgestaltung der SS-Familien gedacht war. Dann sahen wir uns weitere Gebäude, wie zum Beispiel das Krematorium, an.

Nach einer Mittagspause hatten wir Gelegenheit dazu, die Dauerausstellung "Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937 bis 1945" zu besuchen. Danach ging es wieder zurück zum Hostel, wobei wir auf dem Weg noch am Glockenturm und am Mahnmal, welches 1954 zu DDR-Zeiten als Andenken an die vermeintliche Buchenwald-Befreiung errichtet wurde, angehalten haben.

Der Gedanke daran, dass 56.000 Menschen zu Unrecht gestorben sind, ließ uns zu dem Schluss kommen, dass es wichtig ist, sich mit diesem Thema auseinandersetzen und sich immer wieder daran zu erinnern, damit so etwas nie wieder passiert.

Im Hostel folgte eine ausführliche Reflexion, die nach so einem intensiven, erlebnisreichen Tag, auch nötig war. Den restlichen Abend hatten wir zur freien Verfügung und konnten so Weimar nun noch einmal auf eigene Faust erkunden.

An unserem letzten Tag sind wir in die nahegelegene Hauptstadt Thüringens, Erfurt, gefahren. Dort begann der Tag mit einer Führung durch das damalige Stasi-Gefängnis. Wir haben uns mit den Themen Diktatur und Revolution beschäftigt und auch die ehemaligen Zellen besichtigt. Zum Abschluss ging es natürlich um den Mauerfall und die Motive der DDR-Bürger, in den Westen zu gehen oder im Osten zu bleiben.

Nach der Mittagspause, die wir im Stadtzentrum verbringen durften, ging es zur Polizeidirektion des Freistaates Thüringen. Dort haben wir Vorträge zum Thema ,,Gefährdung der Demokratie durch Extremismus-Prävention durch Polizei und Verfassungsschutz“ gehört, durch die uns nochmal nahe gebracht wurde, wie die Situation heutzutage aussieht und dass es wichtig ist, dass auch wir uns für die Demokratie einsetzen. Schnell war dann auch unser letzter Tag vorbei und wir machten uns mit dem Bus wieder auf den Weg nach Köln.

Es waren sehr interessante, erlebnisreiche und prägende Tage, die uns mit Sicherheit noch sehr lange begleiten werden.

Eindrücke gegen das Vergessen

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